Feedflucht · Alternativen

Instagram ersetzen: Pixelfed, Familienalben und Inspiration ohne Algorithmus

Der Tunnel Instagram war bei mir der stillste und der verführerischste, und die Überraschung nach dem Ausstieg war: Von allen Tunneln fehlt er am wenigsten. Das hat einen einfachen Grund. Instagram verkaufte mir zwei Dinge, und nur eines davon brauche ich wirklich.

Das eine war die echte Funktion: Fotos von Menschen, die mir etwas bedeuten. Das andere war die Maschine dahinter: die Lust, gut auszusehen, die Messung der Herzen, die Suggestion, mein Leben sei eine Collage aus Höhepunkten. Die Funktion lässt sich ersetzen. Die Maschine willst du nicht ersetzen, du willst sie loswerden, und das ist der rote Faden dieses Artikels.

Pixelfed: Das freie Foto-Netzwerk

Die direkteste Alternative heißt Pixelfed. Der Name ist Programm: Bilder, im Fediverse. Pixelfed ist freie Software, wird von unabhängigen Instanzen betrieben, funktioniert also nach demselben Server-Prinzip wie Mastodon, von dem du im vorherigen Artikel gelesen hast, und zeigt dir Fotos ohne Werbetracking. Du kannst dort sogar dieselben Menschen wiederfinden, wenn sie ebenfalls gezogen sind, und du kannst mit deinem Pixelfed-Konto Mastodon-Beiträge lesen und beantworten. Für alle, die das Fotografieren selbst ernst nehmen und ein offenes Netz wollen, ist das die erste Adresse.

Der ehrliche Nachteil ist derselbe wie bei jeder freien Alternative: Es ist leiser dort. Die Masse der Menschen, deren Fotos du kanntest, ist geblieben. Mein Umgang damit: Ich nutze Pixelfed für das Thema, nicht für die Menge, und was die Menge betrifft, gilt der nächste Abschnitt.

Fotos von Liebsten: zurück zu den Empfängern

Hier ist die Lösung fast schon banal, deshalb wird sie so selten gesehen: Fotos von Familie und Freunden brauchen keine Plattform, sie brauchen Empfänger. In unserem Familienalltag läuft das über eine Signal-Gruppe, und sie ist besser als jeder Feed, weil sie die richtigen Zuschauer hat und sonst niemanden. Was Oma betrifft, die will ohnehin Abzüge, keine Benachrichtigungen, und einmal im Jahr ein gedrucktes Fotobuch hat in dieser Familie noch niemandem geschadet.

Wer seinen Freundeskreis nicht in einen Messenger zwingen will, für den gibt es den zweiten ehrlichen Weg: eigene Fotoalben im Web, zum Beispiel über einen freien Speicherdienst, den die Familie selbst betreibt. Es gibt davon einige im FOSS-Lager, etwa Nextcloud mit seinen geteilten Alben. Der Aufwand ist größer als eine App zu installieren, der Gewinn ist größer als jede App ihn liefern kann: Die Bilder gehören euch.

Inspiration ohne Algorithmus

Viele sagen beim Instagram-Abschied: Was wird aus den Kochvideos, den Werkstatt-Ideen, den Garten-Tipps? Auch hier löst sich das Problem auf, wenn man die Aufgabe ernst nimmt. Inspiration, die du suchst, ist eine Suche. Inspiration, die dich findet, ist eine Werbung fürs Weiterschauen.

Mein Ersatz: Koch- und Gartenblogs per RSS abonnieren, ich abonniere eine Handvoll Websites, die ich mag, und deren neue Artikel landen wie von selbst im Reader, ganz im Stil des Werkzeuge-Kapitels. YouTube nutze ich bewusst für das Anschauen von Anleitungen, wie ich im nächsten Artikel erkläre. Der Unterschied zum Feed: Ich entscheide, was ich sehe, und die Reihe endet, wenn die Reihe endet.

Ein Warnhinweis für alle Wege: EXIF-Daten

Egal wohin du deine Fotos teilst, ein Punkt verdient vor jedem Upload einen Moment: Fotos enthalten unsichtbare Beigaben, sogenannte EXIF-Daten, das sind Metadaten, also Daten über die Daten, die die Kamera beim Knipsen dazuschreibt: Datum, Kameraeinstellungen und oft auch den GPS-Standort, also die Positionsdaten des Aufnahmeorts. Das Foto vom Kinderzimmer teilt damit auch die Adresse vom Kinderzimmer. Prüfe, ob deine Galerie-App oder dein Teilen-Weg die Standorte entfernt, und mache das Entfernen zum festen Ritual, so wie der Gürtel beim Autofahren.

Was bleibt

Instagram zu ersetzen heißt, zwei Dinge zu entwirren: die echten Fotos, die besser in kleinen Kreisen aufgehoben sind, und die Suggestion, das Leben müsse ständig präsentiert werden. Für das eine gibt es Signal, Pixelfed und gedruckte Alben. Für das andere gibt es nur eine Antwort, und die ist kein Werkzeug: Du hörst auf, ein Publikum zu unterhalten, das aus Empfehlungsmaschinen zusammengestellt wird.


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