Freie Software auf Mac und Windows: Du kriegst dein Leben zurück, nicht ein neues Betriebssystem
Willkommen im Kapitel Werkzeuge. Bevor es mit Feedreadern, Browsern und Passwortmanagern losgeht, kläre ich die Frage, die am Anfang jeder FOSS-Reise steht und am häufigsten falsch beantwortet wird: Brauche ich dafür Linux?
Nein. Das ist das wichtigste Versprechen dieses Kapitels, und es ist mir ernst: Du kriegst dein Leben zurück, nicht ein neues Betriebssystem. Der Mac oder der Windows-Rechner, auf dem du gerade liest, ist völlig ausreichend. Freie Software ist ein Installationspaket, keine Kündigung.
Was freie Software ist, in drei Sätzen
Freie Software ist Software, deren Quelltext, also die für Menschen lesbare Bauanleitung des Programms, offen liegt. Daraus folgen vier Freiheiten: das Programm zu nutzen, zu verstehen, zu verbreiten und zu verbessern. Fachleute sagen deshalb auch FOSS, ausgeschrieben Free and Open Source Software. Und das „frei“ meint Redefreiheit, nicht Freibier: Manche freie Programme kosten Geld, manche nicht, alle lassen dich nachschauen, was sie tun.
Warum das die Serie trägt: Ich verlasse in diesem Projekt Konzernplattformen, weil ich nie nachschauen darf, was sie mit mir tun. Freie Software ist die Umkehrung des Prinzips. Nicht jedes freie Programm ist perfekt, und nicht jedes kommerzielle ist böse, aber das Transparenz-Versprechen ist ein struktureller Unterschied, kein Zufall.
Der Werkzeugkasten läuft überall
Zur Beruhigung ein kurzer Blick in die Werkzeugkiste, denn sie sieht auf dem Mac und auf Windows identisch aus: Firefox als Browser, LibreOffice für Dokumente, Thunderbird für E-Mails und Nachrichten, GIMP für Bilder, VLC für Filme, Audacity für Ton. Das sind alles Programme mit Jahrzehnten Reife, großen Gemeinschaften und deutschen Menüs, und jedes davon installierst du mit einem Klick neben deine bestehende Software. Niemand muss etwas deinstallieren oder umsteigen, freie Software ist ein Zuzug, kein Umzug. Die einzelnen Werkzeuge bekamen in diesem Kapitel je einen Artikel, von Feedreadern bis zum Schnitt.
Windows datensparsamer einrichten, in zehn Minuten
Jetzt zu dem Teil, den du vermutlich gesucht hast, denn Windows ruft bekanntlich regelmäßig nach Hause. Ein paar Einstellungen holen viel heraus, und du brauchst dafür keine Fachkenntnisse:
- Wähle bei der Einrichtung das lokale Konto. Windows 11 drängt dich zu einem Microsoft-Konto, nach dem Motto: ohne Anmeldung kein Windows. Ein lokales Konto, also ein Benutzerkonto, das nur auf deinem Rechner lebt, ist weiterhin möglich, teils über einen kleinen Umweg bei der Einrichtung. Der Gewinn: Deine Anmeldung ist nicht mit einem Cloud-Konto verheiratet.
- Gehe die Datenschutzeinstellungen durch. Unter Einstellungen, dann Datenschutz und Sicherheit, stehen die entscheidenden Schalter: die Diagnosedaten auf die geringste Stufe begrenzen, die Werbe-ID abschalten, damit deine Klicks nicht zu einem Profil zusammengefasst werden, den Aktivitätsverlauf nicht an Microsoft senden und die Online-Spracherkennung aus lassen.
- Nimm die benutzerdefinierte Einrichtung. Bei einer Neuinstallation von Windows fragt das System einmal zusammengepackt nach all diesen Dingen. Wähle dort „Anpassen“ statt „Express“ und lies die Schalter in Ruhe, das dauert drei Minuten und spart Jahre.
- Ein bewährtes Werkzeug: O&O ShutUp10++. Wenn du nicht Schalter für Schalter suchen willst, gibt es dieses kostenlose Programm einer deutschen Firma, das die Datenschutzeinstellungen von Windows auf einer Seite sammelt und mit einer Empfehlung versieht.
Und der wichtige Gegenschalter, den ich ausdrücklich dabei haben will: Sicherheit nicht abschalten. Automatische Updates anlassen, den eingebauten Virenschutz anlassen, die Firewall anlassen. Datensparsamkeit heißt, weniger Daten rauszuschicken, nicht, die Türen auf dem Weg raus zu verriegeln.
Und der Mac?
Kurz und ehrlich, weil ich Mac-Menschen nicht vergessen will: macOS funkt weniger nach außen als Windows, aber auch dort lohnt der Gang durch die Einstellungen, vor allem bei Standortdiensten, Siri und den App-Berechtigungen. Und auch auf dem Mac gilt die eigentliche Botschaft dieses Artikels: Der größte datensparsame Hebel ist nicht das Betriebssystem, sondern die Programme, die du täglich benutzt, und genau da beginnt die freie Software.
Der Ausblick
Damit steht das Fundament: Du weißt, was freie Software ist, und du weißt, dass sie zu dir kommt, statt dass du zu ihr ziehen musst. Jetzt bauen wir auf dem Fundament, ein Werkzeug pro Artikel.
Quellen und weiterlesen
- GNU-Projekt: Was ist freie Software: https://www.gnu.org/philosophy/free-sw.de.html
- Wikipedia: Freie Software: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Software
- O&O ShutUp10++ (kostenlos, deutsche Anbieterseite): https://www.oo-software.com/de/oo-shutup10
- Microsoft-Datenschutzerklärung, der Grund für die Schaltertour: https://privacy.microsoft.com/de-de/privacystatement