Feedflucht · Werkzeuge

Video- und Audioschnitt mit freier Software: Audacity, Kdenlive, Shotcut und OBS

Ehrlich vorweg, weil diese Serie Wahrheiten über den Verfasser nicht scheut: Ich habe selbst eine Weile mit dem Gedanken gespielt, einen Podcast zu machen, ich habe Schnittsoftware installiert, Aufnahmetasten gedrückt und einen Testclip geschnitten, und ich habe dabei vor allem eines bemerkt, dass ich an der Technik bastle, statt etwas zu sagen. Für mich war das die Erkenntnis: Mein Medium ist das Schreiben. Aber genau deshalb weiß ich, wie diese Werkzeuge sich anfühlen, und für dich kann die Rechnung anders aussehen, vielleicht willst du Familienvideos ordentlich schneiden, einen Vereinspodcast aufnehmen oder die Stimme der Oma aus alten Kassetten retten. Hier sind die freien Werkzeuge dafür.

Audacity: das Tonstudio fürs Volk

Audacity ist das freie Audioprogramm, und es ist vermutlich das meistinstallierte Werkzeug dieses Kapitels. Es nimmt Mikrofon und Musik auf, schneidet, fügt Spuren übereinander, entfernt Rauschen und exportiert in jedem Format, das du kennst. Die klassischen Jobs: ein Podcast-Gespräch kürzen und Glätten, eine alte Schallplatte oder Kassette digitalisieren und vom Knistern befreien, ein Video-Ton nachbessern. Die Bedienung ist älteren Schlages, aber das Prinzip, Ton als Wellenform sehen und mit der Maus schneiden, begreift jeder in einer halben Stunde, und die Noise-Reduction-Funktion hat schon manches Oma-Archiv gerettet.

Kdenlive und Shotcut: zwei Schnittplätze für Videos

Für den Videoschnitt sind zwei freie Programme die Adresse, und sie unterscheiden sich freundlich:

OBS Studio: wenn es aufgenommen werden soll

OBS Studio ist die freie Software für Aufnahmen und Übertragungen: Sie nimmt den Bildschirm, die Webcam und das Mikrofon gleichzeitig auf und schneidet nicht, sondern zeichnet live mit. Die klassischen Jobs im Sinne dieser Serie: ein Bildschirm-Video für die Eltern aufnehmen, in dem man zeigt, wie man den Feedreader einrichtet, oder eine Videokonferenz mitprotokollieren, mit Einverständnis aller Beteiligten. Es ist das Werkzeug hinter unzähligen Tutorials, und ein eigenes Tutorial über den Passwortmanager für die Familie ist ein schönes Geschenk, das länger hält als jeder Feed-Beitrag.

FFmpeg: die Maschine hinter den Maschinen

Und weil dieser Artikel auch die Ehre haben soll, das Kapitel abzuschließen, der Blick unter die Haube: Fast alle Werkzeuge dieses Kapitels benutzen im Kern FFmpeg, ein freies Kommandozeilen-Programm, das Ton und Bild umrechnet, extrahiert, verkleinert und verpackt. Du wirst es nie öffnen müssen, und es zu kennen lohnt trotzdem, denn es erklärt den Geist freier Software in einem Beispiel: FFmpeg steckt in den Export-Werkzeugen von Audacity, in Kdenlive, in OBS und in vielen kommerziellen Programmen, und die Konzerne sparen damit Entwicklungskosten, während die Gemeinschaft das Werkzeug pflegt. Freie Software ist nicht das Gegenteil von Industrie, sie ist das Fundament, das alle benutzen dürfen.

Der ehrliche Schluss, für dich und für mich

Zum Abschluss des Werkzeug-Kapitels zwei Sätze, die zusammengehören. Der erste an dich: Jedes Werkzeug dieses Kapitels läuft auf dem Mac und dem Windows-Rechner, den du bereits hast, kostenlos, ohne Cloud-Zwang, und keins davon verlangt dir mehr ab als eine Neugier. Der zweite an mich und alle Mitbastler: Werkzeuge sind Versuchungen, und die Kunst ist, sie zu benutzen, statt sich in ihnen zuhause einzurichten. Ich habe den Schnitt ausprobiert und bin beim Schreiben gelandet, und genau das ist der Gewinn: Ich habe gewählt.


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