Bildbearbeitung mit freier Software: GIMP für alles, Krita fürs Malen, darktable für Fotos
Ob Google-Karten mit Reviews, oder Fotos vom Kindergeburtstag, oder die Bilder für den Blog: Irgendwann nach dem Ausstieg aus den Plattformen steht die Frage, womit man eigentlich Bilder bearbeitet, wenn nicht mit der Cloud-Software des Konzerns. Die Antwort ist eine der schönsten Erfolgsgeschichten freier Software, denn die freien Bildprogramme sind seit Jahren so reif, dass die Frage nicht mehr lautet: Geht das? Sondern nur noch: Welches?
Ich mache es einfach und stelle dir die vier vor, die dieses Kapitel abdecken, mit einer Empfehlung, womit du anfangen solltest, und mit der einzigen Erklärung, die am Anfang wirklich zählt: den Ebenen.
Die Ebenen, einmal in einfacher Sprache
Der wichtigste Unterschied zwischen Anfänger- und Profi-Bildprogrammen sind die Ebenen. Stell dir ein Bild als Stapel transparenter Folien vor: Das Foto liegt unten, darüber liegt eine Folie mit dem Text, darüber eine mit dem Pfeil, darüber eine mit dem Farbfilter. Jede Folie lässt sich einzeln ändern und löschen, ohne das Foto anzufassen. Wer Ebenen einmal verstanden hat, versteht nicht nur GIMP, sondern jedes ernsthafte Bildprogramm der Welt, und diese Erklärung hat mir selbst den Weg freigeräumt.
GIMP: das Schweizer Taschenmesser
GIMP ist das freie Bildprogramm, und der Name ist Programm: GNU Image Manipulation Program, also Bildbearbeitungsprogramm des GNU-Projekts, benannt nach der freie-Software-Bewegung. Es ist seit fast dreißig Jahren in Entwicklung, seit Frühjahr 2025 in der modernisierten Version 3.0, und es kann, was Photoshop kann, ohne Photoshop zu sein: Ausschnitte, Retusche, Fotomontagen, Text, Skalierung, Formate. Für den Alltag des normalen Menschen, ein Foto gerade rücken, Wasserzeichen-Witz vom Screenshot entfernen, ein Bild für die Website verkleinern, ist es überdimensioniert gut. Der einzige ehrliche Haken ist die Gewöhnung: Die Bedienung folgt ihren eigenen Gewohnheiten, und wer mit anderen Programmen groß geworden ist, sucht anfangs Knöpfe, wo keine stehen. Eine Woche später ist das Gefühl weg.
Krita: für die, die malen wollen
Krita ist die freie Software fürs Zeichnen und Malen, gebaut von und für Menschen, die Stifte statt Fotos benutzen. Pinsel, Druckempfindlichkeit, Animationswerkzeuge, eine freundliche Oberfläche: Wenn in dir nach dem Ausstieg aus dem Konsum-Tunnel eine kreative Ader aufwacht, und das passiert öfter, als man denkt, dann ist Krita der Ort, wo sie willkommen ist.
darktable: für die Fotos aus dem Kleingarten
darktable ist die freie Bildentwicklungs-Station für Fotografen. Der Begriff, der hier zählt, ist RAW, das Rohdatenformat der Kamera: die unveränderten Sensordaten, aus denen sich erst in der Entwicklung das Bild ableiten lässt, mit mehr Spielraum für Helligkeit und Farben, als jedes fertige JPG bietet. darktable sortiert die Fotos, entwickelt die RAW-Dateien in einer explosionsartigen Detailtiefe und arbeitet dabei, wie alle Werkzeuge dieses Kapitels, nur auf deinem Rechner, ohne Cloud, ohne Abo, ohne dass deine Aufnahmen irgendwo hochgeladen werden. Die Fotos von meiner Parzelle entwickeln hier, und die Tomaten dieses Jahres sind im September prächtig geworden.
Inkscape: für Pfade statt Punkte
Und für alles, was nicht aus Pixeln besteht, ist Inkscape da, das freie Programm für Vektorgrafiken. Pixelbilder bestehen aus Punkten, und wenn man sie gröber zieht, werden sie unscharf. Vektorgrafiken bestehen aus Beschreibungen: Diese Linie von hier nach dort, in dieser Farbe. Dadurch bleiben sie in jeder Größe scharf, vom Stempel bis zum Plakat, und genau deshalb sind Logos, Einladungen und Bastelvorlagen Vektorsache. Für die Website der Parzelle habe ich die Grundformen damit gebaut, und das ist ein Nachmittag, kein Studium.
Mein Einstieg für dich
Wenn du nur ein Programm probieren willst: installiere GIMP und öffne ein Foto, das du kennst, dann als ersten Griff zurechtrücken: dasselbe Bild, zehn Minuten, kein Kurs. Danach entscheiden sich die Wege von selbst, wer Texte setzt, bleibt bei GIMP, wer zeichnet, geht zu Krita, wer Fotos entwickelt, landet bei darktable, und wer Logos baut, bei Inkscape. Und alle vier laufen auf Mac und Windows, wie das ganze Kapitel verspricht.
Quellen und weiterlesen
- GIMP, das freie Bildprogramm: https://www.gimp.org/
- Krita, die freie Malwerkstatt: https://krita.org/de/
- darktable, die freie RAW-Entwicklung: https://www.darktable.org/
- Inkscape, die freie Vektorwerkstatt: https://inkscape.org/de/