LinkedIn verlassen: Daten sichern, Kontakte exportieren und das Konto endgültig schließen
Ehrlichkeit vorweg: Von allen Artikeln in diesem Kapitel ist dieser der einzige, dessen Weg ich selbst nicht bis zum Ende gegangen bin. Wie ich im Tunnel-Artikel über LinkedIn geschrieben habe, habe ich mein Profil behalten und auf eine digitale Visitenkarte heruntergefahren, ohne Feed, ohne Spielereien. Für mein Berufsleben reicht mir das.
Aber ich bekomme oft die Frage: „Und wenn ich da ganz rauswill?“ Die Gründe dafür verstehe ich gut. Der ständige Benachrichtigungslärm, die Endlosschleife aus Lebenslauf-Vergleichen, die Sorge um die eigenen Daten. LinkedIn ist der einzige Tunnel, in dem du dein Arbeitsleben zur Schau stellst, und das macht den Ausstieg besonders: Du trennst dich nicht von einem Zeitvertreib, sondern von einem beruflichen Aushängeschild. Das braucht Vorbereitung, mehr als bei jedem anderen Netzwerk.
Genau deshalb bekommst du hier die komplette Anleitung. Damit ich dir jeden Klick garantieren kann, habe ich die Menüwege beim Schreiben noch einmal gegen die offizielle LinkedIn-Hilfe geprüft.
Erst die wichtige Frage: Ganz raus oder nur unsichtbar?
Bevor du das Konto schließt, prüfe, was du eigentlich willst. LinkedIn kennt nämlich mehr als nur An oder Aus:
- Ganz raus: Konto schließen, wie in diesem Artikel beschrieben. Profil, Kontakte, Nachrichten, alles weg.
- Halb raus: Profil öffentlich unsichtbar schalten und den Rest laufen lassen. Dein Profil taucht dann weder in der LinkedIn-Suche noch bei Google auf. Das ist eine Zwischenlösung, die Daten bleiben aber gespeichert.
Wer nur den Lärm loswerden will, liest erst den Tunnel-Artikel und schaltet die störenden Mails und Benachrichtigungen ab. Wer die Plattform aber gar nicht mehr will, geht mit mir die folgenden Schritte durch.
Schritt 1: Klären, was du auf LinkedIn wirklich brauchst
Bei Facebook war die Frage: Wen erreiche ich dort? Bei LinkedIn heißt die Frage anders: Was hängt an deinem Profil? Geh das einmal durch:
- Empfehlungen: Das sind die schriftlichen Lobeshymnen, die Kolleginnen und Chefs für dich verfasst haben. Sie sind wertvoller Berufsnachweis, und sie verschwinden mit dem Konto. Kopiere sie dir, wörtlich und vollständig, in ein eigenes Dokument. Du kannst sie später in Bewerbungen zitieren oder als Anlage nutzen.
- Kenntnisbestätigungen: Die Sammlung der bestätigten Fähigkeiten. Notiere dir, welche Fähigkeiten wie oft bestätigt wurden, das ist eine feine Referenzliste.
- Kontakte: Dein Netzwerk. Nicht alle hast du anderweitig erreicht, und genau darum kümmert sich der nächste Schritt.
- Laufende Bewerbungen oder Nachrichten: Gibt es offene Gespräche über LinkedIn? Kläre die vorher über einen anderen Kanal, zum Beispiel E-Mail.
Und noch etwas: Falls du LinkedIn Premium hast, kündige das Abo vor der Schließung separat. Das ist ein eigener Schritt, und die Schließung des Kontos allein beendet nicht automatisch jede Abbuchung, wenn das Abo über Apple oder Google läuft.
Schritt 2: Deine Daten retten
LinkedIn macht den Datenexport erfreulich ordentlich, der Weg führt über die Einstellungen:
- Klicke auf dein Profilbild und dann auf Einstellungen und Datenschutz.
- Wähle links den Bereich Datenschutz.
- Klicke unter „Wie LinkedIn deine Daten verwendet“ auf Kopie deiner Daten anfordern.
- Wähle aus, was du willst: Bestimmte Daten, zum Beispiel nur deine Verbindungen, die bekommst du in wenigen Minuten per E-Mail. Oder das große Archiv mit allem, das braucht je nach Größe bis zu zwei Tage.
- Klicke auf Archiv anfordern und bestätige mit deinem Passwort.
Die E-Mail enthält einen Link zum Download, und der Link läuft nach ein paar Tagen ab. Also nicht warten, bis die Motivation vorbei ist, sondern den Download direkt ansehen und sichern.
Zwei Dateien solltest du zusätzlich mitnehmen:
- Die Kontaktliste: Im Datenexport findest du deine Verbindungen als CSV-Datei, das ist eine Tabelle, die jedes Tabellenkalkulationsprogramm öffnen kann. Sie enthält Namen, Berufe und die E-Mail-Adressen derer, die ihr Einverständnis zum Teilen gegeben haben. Das ist deine Adressbuch-Rettung.
- Dein Profil als PDF: Auf deinem eigenen Profil gibt es die Funktion, es als PDF-Datei zu speichern. Das ist eine saubere Momentaufnahme deines Werdegangs, gut für die eigene Unterlage.
Schritt 3: Vor dem Schließen aufräumen
Zwei Dinge lohnen sich, bevor du das Konto schließt:
- Eigene Beiträge löschen, wenn du willst. Alles was du je gepostet hast, verschwindet mit dem Konto. Einzelne Beiträge vorab zu löschen ist also keine Pflicht. Ich rate trotzdem dazu, über alte Beiträge zu schauen: Nicht weil LinkedIn sie behalten würde, sondern weil Suchmaschinen wie Google alte Seiten noch eine Weile im Zwischenspeicher halten. Beiträge, die du schon vorab löschst, verschwinden aus diesen Caches schneller.
- Verbundene Zugriffe lösen. Wie bei Facebook und Instagram gibt es auch hier die „Mit LinkedIn anmelden“-Dienste. Die Liste liegt in den Einstellungen unter den externen Zugriffen. Trenne die Verbindungen, und ändere in den betroffenen Diensten die Anmeldemethode auf E-Mail und Passwort.
Schritt 4: Menschen Bescheid geben
Der wichtigste Schritt für dein Berufsnetzwerk: Sag deinen wichtigen Kontakten, wie sie dich künftig erreichen. Das geht am elegantesten über eine kurze LinkedIn-Nachricht mit deiner E-Mail-Adresse oder Telefonnummer, oder über ein anderes Netzwerk deiner Wahl.
Vertraue nicht darauf, dass deine Kontakte das schon irgendwie mitbekommen. Die LinkedIn-Nachrichten aller Beteiligten werden mit der Schließung gelöscht, auch auf der Gegenseite. Was nicht vorher gerettet wird, ist danach weg.
Schritt 5: Das Konto schließen, der endgültige Schritt
Wenn alles Gerettete gerettet ist und alle Bescheid wissen, kann die Schließung kommen:
- Klicke auf dein Profilbild und dann auf Einstellungen und Datenschutz.
- Wähle links den Bereich Kontoverwaltung.
- Klicke auf Konto schließen und dann auf Fortfahren.
- Wähle einen Grund für die Schließung, gib dein Passwort ein und bestätige.
Falls du die Punkte nicht findest: LinkedIn hat eine offizielle Hilfeseite zur Kontoschließung, von dort führt der Weg direkt zu denselben Einstellungen: linkedin.com/help/linkedin/answer/a1379064.
Drei Dinge solltest du wissen:
- Die 14-Tage-Frist: Ein geschlossenes Konto kann in den meisten Fällen innerhalb von 14 Tagen wieder geöffnet werden, einfach durch Einloggen. Das klingt nach Sicherheit, ist aber ein Stolperstein: Wer das Konto endgültig loswerden will, darf sich in dieser Zeit nicht einloggen. Also App löschen, Passwort aus dem Passwortmanager entfernen, und Finger weg.
- Nicht alles kehrt zurück: Falls du doch wiedereröffnest, bleiben manche Dinge dauerhaft weg, so sagt es LinkedIn selbst in der Hilfe. Dazu zählen Kenntnisbestätigungen, Empfehlungen, Gruppenmitgliedschaften und die Liste derer, denen du folgst. Die Wiedereröffnung ist also keine echte Rückkehr, sondern ein Neuanfang mit Verlusten.
- Google braucht Zeit: Dein Profil verschwindet sofort aus LinkedIn, aber Suchmaschinen wie Google halten die alte Seite noch ein bis drei Wochen im Zwischenspeicher. Das ist normal und erledigt sich von selbst.
Mit der Schließung werden laut LinkedIn alle Empfehlungen, Kenntnisbestätigungen, Nachrichten und Kontakte gelöscht. Das ist bei LinkedIn der Lösch-Befehl, anders als bei X gibt es hier keine Deaktivierung als Zwischenschritt.
Was ich danach gespürt habe
Wie gesagt: Ich selbst bin nur halb gegangen, Visitenkarte ja, Karussell nein. Aber der halbe Ausstieg hat mir gezeigt, wie viel Lärm dieses Netzwerk erzeugt: Kaum hatte ich die Mails und Benachrichtigungen abgestellt, wurde mein Postfach ruhiger, und ich dachte zum ersten Mal seit Jahren wieder über meinen Beruf nach, ohne dabei zwanzig Erfolgsgeschichten von Fremden als Maßstab im Kopf zu haben.
Für die Menschen, die ich kenne und die ganz gegangen sind, gilt dasselbe in stärkerer Dosierung. Die wichtigsten beruflichen Kontakte liefen nach kurzer Übergangszeit per E-Mail und Telefon, und zwar verbindlicher als je zuvor.
Der Ausblick
Damit hast du drei der großen Tunnel hinter dir: Facebook, Instagram, LinkedIn. Im nächsten Artikel dieses Kapitals geht es an den lautesten von allen, das Netzwerk, das dich nachts wütend ins Bett schickt: X verlassen, Schritt für Schritt.
Und falls du gerade sicherst und sammelst: Dein Berufsnachweis gehört auf deinen eigenen Speicher, nicht in ein Schaufenster, das ein Konzern verschlossen hält.
– Markus
Quellen und weiterlesen
- Offizielle LinkedIn-Hilfe: Ihr LinkedIn-Konto schließen: https://www.linkedin.com/help/linkedin/answer/a1379064
- Offizielle LinkedIn-Hilfe: Neuaktivierung Ihres Kontos (14-Tage-Frist, was verloren geht): https://www.linkedin.com/help/linkedin/answer/a1342239
- Offizielle LinkedIn-Hilfe: Ihre Kontodaten herunterladen: https://www.linkedin.com/help/linkedin/answer/a1341346
- Offizielle LinkedIn-Hilfe: Exportieren von Verbindungen aus LinkedIn: https://www.linkedin.com/help/linkedin/answer/a568315