Feedflucht · Alternativen

WhatsApp ersetzen: Signal, Threema und der Umzug des Familienchats

Gestehen wir es ein: WhatsApp ist der Tunnel, über den ich mich am häufigsten streiten muss. Er hat keinen bunten Feed, keine Herzchen-Leiste und keine Empfehlungsmaschine, und viele sagen deshalb: Der gehört doch gar nicht in deine Serie. Aber er gehört hinein, aus einem Grund, der unsichtbarer ist als jeder Algorithmus: Es geht nicht um die Funktion, es geht um den Vermieter. WhatsApp gehört seit 2014 zu Meta, dem Konzern hinter Facebook und Instagram, und es ist die eine App, die fast alle Menschen in deinem Telefon ernsthaft brauchen.

Die gute Nachricht dieses Artikels ist die beste des ganzen Kapitels: Der Ersatz ist ausnahmsweise kein Werkzeug-Paket, sondern eine einzige, fertige App, und sie ist seit Jahren so ausgereift, dass ich sie im Alltag kaum noch von der alten unterscheiden würde. Bei uns läuft der Familienchat seit meiner Feedflucht auf Signal, und Oma kam ohne Einführungskurs zurecht.

Warum WhatsApp trotzdem ein Problem ist

Der häufigste Einwand lautet: WhatsApp ist doch verschlüsselt. Das stimmt, und es soll hier nicht kleingeredet werden: Die Inhalte deiner Chats sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, das heißt, nur du und dein Gegenüber können sie lesen, nicht einmal der Betreiber selbst. Aber an dieser Stelle beginnt das Problem, denn der Betreiber sieht trotzdem sehr viel:

Kurz: WhatsApp ist kein Zeitfresser wie die anderen Tunnel, es ist ein Datenfresser. Und dafür gibt es einen richtig guten Ersatz.

Signal: der Haupt-Ausweg

Signal ist mein Ersatz, und ich empfehle ihn ohne Sternchen und Fußnoten. Die Gründe stehen in der Konstruktion:

Ein ehrliches Wort zur Geschichte, weil es so gut zur Serie passt: Einer der Mitgründer der Signal-Stiftung war früher einer der wichtigsten Menschen bei WhatsApp, und er ist nach dem Verkauf an Meta gegangen, um das Gegenstück zu bauen. Der Mann, der die Küche mitgebaut hat, kocht heute nebenan. Das ist für mich keine Werbung, aber ein Argument bei der Frage, wem man vertraut.

Threema: für die Gründlicheren

Wer noch einen Schritt weiter gehen will, schaut sich Threema an, einen Messenger aus der Schweiz. Threema verzichtet von Anfang an auf die Telefonnummer als Kennung: Deine Identität ist eine zufällige Threema-ID, ein anonymer Code, und du brauchst weder Nummer noch E-Mail-Adresse, um loszuschreiben. Die Server stehen in der Schweiz, die Software ist offen einsehbar, und die App kostet einmal ein paar Euro. Genau dieser Preis ist für viele der Stolperstein, und meine Gegenrede ist altbacken, aber ehrlich: Einmal ein Brötchen Geld für ein Werkzeug, das die intimsten Daten deines Lebens verwaltet, ist keine Hürde, es ist ein Filter.

Mein Praxistipp: Für die eigene Familie und den Freundeskreis ist Signal die breite, einfache Lösung, weil die Einladung kostenlos ist und die Nummern schon da sind. Threema ist die Wahl für Menschen, denen die Anonymität selbst der Nummer gegen den Strich geht. Beide sind ehrlich gebaut, beide sind Werbefrei, und beide gehören dir mehr als jeder Feed.

Der schwierige Teil ist sozial

Jetzt zu dem, was dich wirklich Zeit kostet, und es ist keine Technik. WhatsApps Macht ist wie bei Facebook der Netzwerkeffekt: Alle sind dort, weil alle dort sind, und der Familienchat zieht nicht um, weil du es beschließt, sondern weil die Oma es kann. Mein Umzugsplan nach vier Jahren Praxis:

Der Ausblick

Damit ist das Kapitel der Alternativen bei mir zu Ende, vom lautesten Tunnel bis zum stillsten Familienchat. Was das Löschen des alten WhatsApp-Kontos betrifft, dem hat die Serie nichts Neues zu sagen, was nicht schon im Kapitel Ausstieg steht: sichern, Bescheid geben, stillhalten. Und was das Handwerkszeug für die Zeit danach angeht, Feedreader und Konsorten, das wartet im Kapitel über Werkzeuge.

Ein letzter Gedanke fürs Mitnehmen: Der Unterschied zwischen einem Messenger, der dich kennt, und einem, der nur dein Paket trägt, ist unsichtbar, bis jemand hinsieht. Sorge einfach dafür, dass weniger Leute hinschauen können.


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